Jobcenter Lübeck kooperiert mit den gesetzlichen Krankenkassen

Modellprojekt zur Gesundheitsförderung bei Arbeitslosen

Pressemitteilung vom 20.06.2017

Der Leiter des Jobcenters Lübeck, Joachim Tag, und die Vertreterin der Arbeitsgemeinschaft der gesetzlichen Krankenkassen, Kerstin Berszuck, unterzeichneten am 19.06.2017 eine Kooperationsvereinbarung. Das Jobcenter Lübeck möchte in Zukunft gemeinsam mit den gesetzlichen Krankenkassen aus der Region verstärkt zusammenarbeiten, um die Gesundheit arbeitsloser Menschen zu stärken und damit auch die Chancen auf den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu erhöhen.

Das Jobcenter Lübeck und die gesetzlichen Krankenkassen aus der Region nehmen am bundesweiten „Modellprojekt zur Verzahnung von Arbeits- und Gesundheitsförderung“ teil. Gemeinsam bauen sie ein Netzwerk zur Gesundheitsförderung von arbeitslosen Menschen auf. „Dass Fitness das Wohlbefinden steigert, ist allgemein bekannt. Fitness ist aber auch notwendig, um eine neue Arbeit zu finden und vor allem, um dauerhaft in Arbeit zu bleiben. Heute weiß man, dass längere Arbeitslosigkeit negative körperliche und psychische Auswirkungen haben kann“, so Joachim Tag. „Daher wollen wir gemeinsam mit den Krankenkassen unsere Kundinnen und Kunden unterstützen.“

Das Thema „Gesundheit“ hat im Zusammenhang mit der Integration und Beratung von Erwerbslosen einen hohen Stellenwert. Arbeitslosigkeit und Gesundheit beeinflussen sich wechselseitig: Sind Erwerbslose gesundheitlich eingeschränkt, ist der berufliche Wiedereinstieg für sie erheblich erschwert. Es gilt also, den mit Arbeitslosigkeit verbundenen gesundheitlichen Risiken vorzubeugen bzw. sie zu minimieren und Erwerbslose darin zu unterstützen, ihre Gesundheit und somit ihre Erwerbsfähigkeit zu erhalten und zu verbessern.

Fester Bestandteil der Beratungs- und Vermittlungsdienstleistungen des Jobcenters soll künftig sein, Arbeitslose für das Thema Gesundheit zu sensibilisieren und zur freiwilligen Teilnahme an gesundheitsfördernden Maßnahmen zu motivieren. Die von den gesetzlichen Krankenkassen geförderten Gesundheitskurse zur gesunden Ernährung, Bewegung, Stressbewältigung oder Raucherentwöhnung können hierzu ein erster Schritt sein.

Ziel des Projektes ist es, erwerbslose Menschen nachhaltig mit Angeboten zur Gesundheitsförderung zu erreichen und damit auch ihre Chancen auf den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu erhöhen.

Denn: Anhaltende Arbeitslosigkeit kann zu einem gesundheitlichen Risiko werden. Sie sind öfter und länger in stationärer Behandlung; ihnen werden öfter Arzneimittel verordnet als anderen Versicherten. Hinzu kommt: Obwohl gerade Arbeitslose Präventionsmaßnahmen bräuchten, um ihre Gesundheit zu erhalten, nutzt diese Gruppe die vorhandenen Angebote der Krankenkassen seltener. „Um Arbeitslose auf ihrem Weg zu mehr Gesundheit zu fördern, möchten wir Krankenkassen Hand in Hand mit dem Jobcenter Lübeck und kommunalen Strukturen zusammenarbeiten. Ziel ist, die Lebensqualität für Arbeitslose zu verbessern und damit die Voraussetzung für den Ausstieg aus der Erwerbslosigkeit zu schaffen.“, so Kerstin Berszuck.

In der Kooperationsvereinbarung wurde zudem festgehalten, dass ausgewählte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jobcenter Lübeck speziell geschult werden, um individuelle gesundheitsorientierte Beratungsgespräche anzubieten. Schon heute gibt es im Jobcenter Lübeck Expertinnen und Experten zum Thema Gesundheit. Im Projekt „Netzwerke Aktivierung, Beratung Chancen+“ wurde bereits 2016 ein Kompetenzteam eingerichtet, dassbei der Beratung die besonderen Bedürfnisse von Arbeitslosen mit gesundheitlichen Einschränkungen und/oder Schwerbehinderung berücksichtigt. Das Kompetenzteam nutzt intensiv vorhandene Netzwerke, baut neue Netzwerke auf und erweitert diese kontinuierlich. „Die Zusammenarbeit mit Dritten, Berufspsychologischer Service, Ärztlicher Dienst, Rentenversicherung, Hauptfürsorgestellen, Integrationsamt, Trägern beruflicher Weiterbildung etc., ist sinnvoll und notwendig, um bei bereits vorliegenden gesundheitlicher Einschränkungen neue Wege in die Berufstätigkeit zu entdecken und zu erschließen. Die intensivere Zusammenarbeit mit den gesetzlichen Krankenkassen ist daher eine logische Konsequenz, um die Beschäftigungsfähigkeit unserer Kundinnen und Kunden zu erhalten und zu verbessern.“ freut sich Joachim Tag über die bestehende Kooperation.

Das „Modellprojekt zur besseren Verzahnung von Arbeits- und Gesundheitsförderung im Setting“ ist eine bundesweite Initiative zur systematischen und nachhaltigen Gesundheitsförderung bei Arbeitslosen im Zusammenhang mit der Arbeitsförderung. Es wurde im Rahmen einer Kooperation zwischen der Bundesagentur für Arbeit (BA) und Gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) entwickelt und bereits zwischen 2014 und 2015 an sechs Standorten in Deutschland erfolgreich umgesetzt. Als weitere Projektpartner konnten nun der Deutsche Städtetag (DST) sowie der Deutsche Landkreistag (DLT) gewonnen werden.

Ausgehend von den bisher gewonnenen Erfahrungen wird das Projekt auf vorerst ca. 60 Standorte ausgeweitet und inhaltlich-konzeptionell weiterentwickelt. Die bundesweite Projektkoordination und -steuerung leistet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes in Zusammenarbeit mit der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit, dem Deutschen Städtetag und dem Deutschen Landkreistag.

Kooperationsvereinbarung 

Bildunterschrift:
v.l.n.r. Anja Brötzmann (Teamleiterin Projekt „Netzwerke Aktivierung, Beratung Chancen+“), Joachim Tag (Geschäftsführer Jobcenter Lübeck) und Kerstin Berszuck (Vertreterin der Arbeitsgemeinschaft der gesetzlichen Krankenkassen) freuen sich auf die zukünftige Zusammenarbeit.

 

Hintergrund

Das Präventionsgesetz, in Kraft getreten am 25.07.2015, legt einen besonderen Schwerpunkt auf Präventions- und Gesundheitsförderung in sogenannte Lebenswelten (Settings). Gesetzliche Krankenkassen und ihre Kooperationspartner sollen zusammen noch stärker als bisher mit Präventions- und Gesundheitsförderungsmaßnahmen aktiv auf Menschen in bestimmten Lebenslagen zugehen. Ein Kernziel ist es, die Auswirkungen sozialer Benachteiligung auf die Gesundheit zu mildern. Dies geschieht im gemeinsamen Projekt „Verzahnung von Arbeits- und Gesundheitsförderung“. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist über eine Beauftragung durch den GKV-Spitzenverband (gemäß § 20a Absätze 3 und 4 Sozialgesetzbuch V) in die Koordination, Evaluation und Umsetzungsunterstützung solcher Projekte eingebunden.

 Kooperationsvereinbarung